Frankfurter Wenn Welt Anders War

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Bronte, Charlotte: Über die Liebe. Mit dem Nachwort 'Charlotte Bronte und die Liebe' herausgegeben von Elsemarie Maletzke. Aus dem Englischen von Groepler, Eva und Hans J. Schütz. Deutsche Erstausgabe. Frankfurt am Main, Frankfurter Verlags-Anstalt,, 1988. ISBN: 3627100166
"Über die Liebe" ist eine kleine, feine Lektüre für einen Abend. Es ist eine Sammlung von Briefen, die die Schriftstellerin Charlotte Bronte zwischen 1839 und 1854 (also im Alter von 22 bis 38 Jahren) an ihre Freundin Ellen Nussey, zwei abgewiesene Verehrer und einen offenbar unerreichbaren Verehrten geschrieben hat. Es sind Charlotte Brontes im Laufe der Jahre wandelnde Ansichten über die Liebe. Die Briefe sind nicht nur schön zu lesen; obwohl es nur wenige sind, gewähren sie einen weiten Einblick in die Persönlichkeit der eigensinnigen Schriftstellerin. Die Herausgeberin Elsemarie Maletzke vervollständigt den gewonnenen Eindruck in einem Nachwort. Ein Buch, das berührt und neugierig macht. Bronte-Schwestern: Leben und literarisches Werk von Anne, Charlotte und Emily Bronte Im westlichen Yorkshire am Rand eines Hochmoors liegt das Dorf Haworth, zu dem alljährlich eine Viertelmillion Touristen pilgert, um dort auf den Spuren von drei Frauen zu wandeln, die zu einer Legende der englischen Literaturgeschichte geworden sind. Es sind die Schwestern Charlotte, Emily und Anne Bronte, von denen man meist wie von einer Einheit spricht, obgleich die drei kaum verschiedener hätten sein können. Charlotte, die Älteste, wird von Zeitgenossen als eine unscheinbare, geradezu verkümmerte Person beschrieben. Sie maß nur vier Fuß, zehn Zoll (1,47 Meter). Elizabeth Gaskell, ihre spätere Biografin, spricht von ihren schönen, kastanienbraunen Augen, aus denen zuweilen ein Licht schien, "als ob eine geistige Lampe aufflammte, die hinter diesen Augen glühte. Ihre übrigen Gesichtszüge waren ziemlich hässlich ...". Als schön wird sonst nur noch ihr Haar beschrieben. Sie selbst spielt auf ihre Reizlosigkeit mehrfach in einem Ton an, der erkennen lässt, dass sie all ihren späteren Ruhm hingegeben hätte, wenn sie dafür eine schöne Frau hätte sein dürfen. Eine andere Eigenschaft, unter der sie ihr Leben lang litt, war ihre Schüchternheit. Sie schnürte sich in die engsten Korsetts und kleidete sich in das unauffälligste Grau oder Schwarz, als wollte sie sich unsichtbar machen. Und doch hat manche Berühmtheit, zum Beispiel der Romancier William Makepeace Thackeray, ihre Krallen zu spüren bekommen, wenn sie aus ihrer Reserve herausfuhr und sich auch durch große Namen nicht einschüchtern ließ. Von ganz anderer Art war ihre Schwester Emily. Hoch gewachsen und schlank, von schroffem, fast männlichem Wesen, glich sie einer Diana, wenn sie einsam das Moor durchstreifte, nach Männerart ihrem Hund pfiff und ihn mit bloßen Fäusten verprügelte, wenn er nicht gehorchte. Als sie einmal von einem tollwutverdächtigen Dorfhund gebissen wurde, zögerte sie nicht, die Wunde mit einem glühenden Feuerhaken auszubrennen. Zeitgenossen erwähnen auch bei ihr das schöne Haar und ihre schönen, zwischen dunkelblau und dunkelgrau changierenden Augen, die jedoch kaum zur Geltung kamen, da sie ihr Gegenüber selten anblickte. Außerdem wird erwähnt, dass es ihrem Teint trotz des häufigen Aufenthalts in der freien Natur an Frische fehlte. Während Charlotte um menschliche Zuwendung bemüht war und sich nach Liebe sehnte, war Emily am liebsten für sich allein. Charlotte beschreibt sie als eine Frau, die selbst ihren Schwestern ein Rätsel blieb. In der Fremde litt sie an Heimweh, doch zeigte sie Fremden gegenüber keinerlei mädchenhafte Schüchternheit, sondern abweisende Härte und Verschlossenheit. Anders als Charlotte schien sie weder über sich selber noch über ihre Lebensaussichten nachzudenken. Mit stoischem Gleichmut nahm sie ihr Schicksal hin und glich einem Medium, durch das Traumgesichte hindurchgingen, ohne dass sie selber daran beteiligt war. Charlotte schrieb später über sie, dass Freiheit ihr innerstes Wesen ausgemacht habe. Sie hatte nur wenige Freunde, schien weder an Liebe noch an Ruhm interessiert zu sein und verweigerte noch im Sterben ärztliche Hilfe, als wollte sie einem ihr vorbestimmten Schicksal seinen Lauf lassen. Anne, die jüngste und literarisch bis heute am wenigsten geschätzte der drei Schwestern, stand schon zu Lebzeiten im Schatten der beiden älteren, obgleich sie die hübscheste war. Ellen Nussey, Charlottes engste Freundin, schreibt: "Anne, die liebe sanfte Anne, war ganz anders. ... Ihr sehr hübsches, dunkelblondes Haar fiel in anmutigen Locken über ihren Nacken. Sie hatte wunderschöne, veilchenblaue Augen und einen klaren, fast durchsichtigen Teint." Über ihr inneres Wesen ist noch bezeugt, dass sie von den dreien die entschiedensten religiösen und moralischen Grundsätze hatte. Vollständig ist das Bild der drei Frauen aber erst, wenn man auch ihren Bruder Branwell hinzunimmt, den die Schwestern lange Zeit als das Genie der Familie verehrten. Doch gerade dieser Mann sollte sich neben seinen charakterstarken Schwestern als der Schwächling und Versager erweisen. Branwell war für einen Mann sehr klein und trug auf dem Kopf einen wirren Schopf roter Haare. Das Letztere war ein Erbe seines irischen Vaters, des Methodistenpfarrers Patrick Bronte, der eigentlich Brunty hieß und 1777 als ältestes von zehn Kindern in Drumballoney in Nordirland geboren wurde. Nach seiner Eheschließung mit der aus Cornwall stammenden Maria Branwell wurden in rascher Folge sechs Kinder geboren: Maria, Elizabeth, Charlotte (21. April 1816), Patrick Branwell (26. Juni 1817), Emily Jane (30. Juli 1818) und Anne (17. Januar 1820). Kurz nach der Geburt des letzten Kindes erkrankte seine Frau schwer und starb noch im selben Jahr, worauf ihre Schwester Elizabeth Branwell aus Cornwall gerufen wurde, um fürs Erste die sechs Kinder zu versorgen. Tante Elizabeth blieb bis zu ihrem Tode 1842 im Pfarrhaus und hinterließ ihren drei Nichten und einer vierten in Cornwall ihr kleines Vermögen von 1500 Pfund. In den zwanzig Jahren ihrer Haushaltsführung wuchsen unter ihren Fittichen die ungewöhnlichsten Geschwister der englischen Literatur heran, ohne dass sie selber etwas davon bemerkte. Zwischen Traum und Wirklichkeit 1824 entschloss sich Patrick Bronte, seinen ältesten Kindern eine solide Schulbildung angedeihen zu lassen. Er schickte zuerst Maria und Elizabeth, wenig später auch Charlotte und Emily nach Cowan Bridge, einer erzieherischen Treuhandstiftung für Töchter von Klerikern. Diese für damalige Verhältnisse fortschrittlich konzipierte, doch schlecht geführte Schule hat sich in Charlottes Gedächtnis als ein Ort der Qual eingegraben. Als beklemmendes Pensionat Lowood wird die Anstalt später in ihrem Roman Jane Eyre wiederkehren. Für die Bronte-Töchter wurde aus der Qual eine Katastrophe. Schon während des ersten Schuljahres erkrankten Maria und Elizabeth schwer und starben kurz darauf. Obwohl nicht sicher ist, ob die damals als Auszehrung diagnostizierte Krankheit in jedem Falle Tuberkulose war, spricht alles dafür, dass schon die ersten beiden Kinder dieser Geißel der Familie Bronte zum Opfer fielen. Für Charlotte bedeutete der Verlust der beiden älteren Schwestern einen emotionalen Schock und zugleich einen tiefen Einschnitt in ihr Leben, da nun ihr selber die Rolle der großen Schwester zufiel, die den jüngeren Geschwistern die Mutter ersetzen musste. Nach der Rückkehr ins Haus des Vaters schlossen sich die vier übrig gebliebenen Kinder immer fester zusammen. Der Vater versuchte ihre Erziehung ein wenig zu steuern, überließ sie aber bald ganz ihrem Lesehunger und ihrer Fantasie. Als er im Juni 1826 seinen Kindern eine Schachtel mit zwölf holzgeschnitzten Soldaten mitbrachte, war dies das Samenkorn, aus dem zwei Reiche hervorgingen, die noch heute in der Literaturgeschichte weiterleben. Die Kinder stürzten sich sogleich auf die Figuren, teilten sie untereinander auf und gaben ihnen Namen. Aus den Namen wurden Geschichten und aus den Geschichten eine eigene Welt, in der sich die Kinder bewegten wie in einer zweiten Wirklichkeit. Anfangs nannten sie die Hauptstadt ihres an der Westküste Afrikas angesiedelten Reiches Glasstown oder auf Griechisch Verdopolis, und sie malten sich ihre Orte nach dem Vorbild der apokal...

106 Seiten. 16 cm. Pappband mit Schutzumschlag. ISBN: 3627100166.

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